Per App Sprachen lernen? Meine Erfahrung mit Babbel

Babbel ist in aller Munde. Ob im Internet oder in der TV-Werbung, an dieser Sprachen-App kommt man praktisch nicht vorbei, und ich habe sie inzwischen schon zwei Jahre lang auf meinem Handy. Glücklicherweise habe ich ein Talent für Sprachen, es hapert allerdings oft am Durchhaltevermögen. Meine bisherige Erfahrung mit Babbel hat gezeigt, dass ich für ein paar Tage motiviert bin, und dann vergesse ich es wieder. So kann ich natürlich keinen Erfolg erwarten. Nachdem ich im Oktober in Neapel sein werde, nehme ich aber nun meine ganze Motivation zusammen und lerne. Italienische Sprache, ich komme!

 

Auf die Plätze, fertig, installiert!

Babbel kann sowohl am Desktop-Computer als auch am Handy oder Tablet als App verwendet werden. Einfach herunterladen, Sprache auswählen, anmelden, fertig. Die erste Sprachlektion ist kostenlos, so kann man hineinschnuppern und sehen, ob man die Arbeitsweise prinzipiell cool findet oder nicht. Wer weitermachen will, muss für Babbel bezahlen. Die Preise sind unterschiedlich, man kann wählen zwischen Abonnements für einen Monat, drei Monaten, einem halben Jahr und einem ganzen Jahr.

 

Und wie funktioniert das nun?

Babbel unterteilt den Sprachkurs in verschiedene Kategorien. Bei Italienisch sind das Anfängerkurse, Mittelstufenkurse, Grammatik, Hören und Sprechen, Schreiben, Land und Leute, Extras und Wörter und Sätze. Jede Kategorie beinhaltet Unterteilungen, die wiederum in Lektion getrennt sind, z.B.:

Kategorie Anfängerkurse – Unterkategorie Anfängerkurs 1 – Lektion „Ciao! Teil 1“

Kategorie Grammatik – Unterkategorie Zeitformen – Lektion „Unregelmäßige Partizipien“

Kategorie Wörter & Sätze – Unterkategorie Essen & Trinken – Lektion „Frutta e verdura“

Ich wähle nun also meine Kategorie und die Unterkategorie aus und beginne mit dem Anfängerkurs. Innerhalb der Lektion wird mittels verschiedener Methoden geübt: Nachsprechen, erste Schreibübungen mit Drag & Drop von Satzbausteinen, eigenständiges Schreiben, Kombinieren von einem vorgegebenen italienischen Satz mit der richtigen Übersetzung, etc. Im rechten oberen Eck des Screens sieht man, wie lange die Lektion noch dauert.

 

Babbel unterwegs – macht das Sinn?

Das Programm wirbt damit, dass man ganz einfach unterwegs und jederzeit eine neue Sprache üben kann. Meiner Erfahrung mit Babbel nach ist das nicht ganz so. Ich pendle jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit und wieder nach Hause – diese Zeit würde sich also ideal anbieten, um zu üben. Allerdings mache ich mir in der Früh im Zug keine Freunde damit, italienische Sätze in mein Handy zu sprechen. Leider kann man diesen Teil in den Lektionen auch nicht einfach überspringen. Lektionen durchzugehen funktioniert unterwegs also nicht wirklich. Es gibt allerdings die Funktion „Vokabeltrainer“. In dieser kann ich auswählen, ob ich die Vokabel per Schreibübung oder mit Karteikärtchen lernen will. Das ist eine gute Möglichkeit, um auch zwischendurch in der Öffentlichkeit weiter an der Sprache zu feilen.

 

Meine Fortschritte mit Babbel

Ich habe Anfang September angefangen, meine Babbel-App wieder intensiv zu nützen. Der Urlaub in Neapel Mitte Oktober naht, und ich nehme ihn als Anlass, meine Babbel-Sprachlektionen 5 Wochen lang durchzuziehen. Nach Neapel werde ich zusammenfassen, ob mir 5 Wochen Lernzeit sprachlich wirklich etwas gebracht haben und meine Erfahrung mit Babbel hier veröffentlichen.

 

Italienisch – meine Grundlagen

Ich hatte im Gymnasium (also vor gefühlten 100 Jahren) 3 Jahre lang Spanisch und 8 Jahre lang Französisch. Französisch habe ich mit Anfang 20 durch Frankreich-Aufenthalte recht gut gesprochen. Die Basis für Italienisch ist dank meinen Kenntnissen romanischer Sprachen also gelegt.
Da ich Italienisch auch schon mal am WIFI belegt habe, sind die allergröbsten Grundkenntnisse vorhanden. Deshalb starte ich nicht mit der allerersten Lektion, sondern im Anfängerkurs 1 – Lektion 3 „Come ti chiami? Teil 1“

 

Woche 1 – 4.9. bis 10.9.

Gleich die erste Woche hat gezeigt, dass es mit meiner Selbstdisziplin nicht weit her ist. Gerade mal 3 von 6 Tagen habe ich geschafft (ich habe erst am Dienstag begonnen). Aber: Sitzt man einmal dabei, vergeht eine halbe Stunde wie im Flug. Und nach der ersten Woche sind der Klang der Sprache und die ersten Vokel und Sätze wieder im Kopf präsent.

5.9.   Lektionen „Come ti chiami?“ Teil 1 und 2
6.9.   Lektionen „Come ti chiami?“ Wiederholung, „Dove abiti?“ Teil 1 und 2
8.9.   „Al bar“ Teil 1

 

Woche 2 – 11.9. bis 17.9.

Woche Nummer 2 liegt hinter mir, und es geht gut voran. Diesmal war ich auch deutlich motivierter und habe an 5 von 7 Tagen geübt. Es gibt immer 3 Lektionen zu einem Thema, z.B. „Come ti chiami“ 1 + 2 + Wiederholung. Ich frage mich gelegentlich, ob das wirklich reicht, um es sich zu merken, aber scheinbar funktioniert es. Inzwischen habe ich allerdings einen großen Kritikpunkt am Vokabeltrainer: Ich würde hier gerne spezifisch auswählen können, welche Lektion(en) ich wiederholen und üben möchte. Das ist nicht möglich. Noch lästiger ist allerdings, dass sich der Vokabeltrainer merkt, wie weit ich irgendwann bereits war. Fange ich also nach ein paar Monaten wieder von vorne an und habe alles vergessen, prüft er mich dennoch in ALLEN Lektionen, die ich schon mal durchgemacht habe.

11.9.   Lektionen „Al bar“ Teil 2 und Wiederholung
12.9.   Lektionen „Che ore sono“ Teil 1, 2 und Wiederholung
13.9.   Lektion „Quanti anni hai?“ Teil 1
14.9.   Lektion „Quanti anni hai?“ Teil 2
17.9.   Lektionen „Quanti anni hai“ Wiederholung, „Cosa porta al pic nic?“ Teil 1, 2 und Wiederholung

 

Woche 3 – 18.9. bis 24.9.

Letzte Woche war eine klassische Durchhänger-Woche, ich habe nur 2 (!) Lektionen hinter mich gebracht. Dass ich dafür dreimal in der Früh 15 Minuten im Zug Vokabel gelernt habe ist leider nur eine schwache Ausrede. Wie auch immer, ich gebe wieder Gas und werde die Decke des Vergessens über die letzte Woche breiten.

18.9.   Lektion „Al lavoro“ Teil 1
20.9.   Lektion „Al lavoro“ Teil 2

 

Woche 4 – 25.9. bis 1.10.

Diese Woche habe ich wieder ordentlich aufgeholt. Mit gestern habe ich den „Anfängerkurs 2“ abgeschlossen. 2 Wochen sind es noch bis Neapel – die werde ich hauptsächlich den Sonderkategorien zum Thema Reisen & Essen widmen.
Etwas seltsam finde ich, dass bei Übungen, wo man Vokabel einsetzen muss, die Linie genauso lange ist, wie das einzugebende Wort. Wenn es also um eine Übung geht, in der ich den Satz ergänzen muss mit „alla“, „all'“ oder „al“, dann brauche ich nicht nachzudenken. Ich gebe einfach das Wort mit der passenden Länge für die Linie ein. Kein echtes Problem, aber trotzdem ist der Lerneffekt geringer.

Meine echte Kritik gilt wieder einmal dem Vokabeltrainer. Ich nütze meine tägliche Pendelzeit im Zug ja dafür, Vokabel zu wiederholen, wenn ich schon die normalen Lektionen nicht durchgehen kann. Aber: Übt man mehrere Tage hintereinander, so zeigt der Vokabeltrainer an, dass es keine Wörter zu wiederholen gibt. Das ist wirklich eine schlechte Einstellung, denn er könnte ja wieder von vorne anfangen! Leider sitze ich deshalb schon einige Tage auf dem Trockenen.

Diese Woche habe ich mir die Tage nicht mitgeschrieben, deshalb liste ich nur die erledigten Lektionen auf. Die Aussprachelektionen „Die italienische Aussprache: ‚v‘ und ‚gn“ und „Die italienische Aussprache: ‚chi/che‘ und ‚ghi/ghe'“ habe ich mir geschenkt.

Lektion „Al lavoro“ Wiederholung
Lektionen „Desidera qualcos’altro“ Teil 1, 2 und Wiederholung
Lektionen „Com’è Roma“ Teil 1, 2 und Wiederholung
Lektionen „Lo posso provare?“ Teil 1, 2 und Wiederholung
Lektionen „In vacanza“ Teil 1, 2 und Wiederholung

 

Babbel italienisch Vokabeltrainer Übungen
227 Vokabel stehen zur Verfügung – aber 0 sind zur Wiederholung bereit.
Babbel italienisch Grammatikübung al all' alla
Schon an der Linie lässt sich erkennen, welche Form ich einfügen muss.

 

Woche 5 – 2.10. bis 8.10.

Und da war die Streberwoche wieder gefolgt von einer schwachen Woche. Diesmal habe ich aber Ausreden parat – ich war tatsächlich soviele Abende unterwegs, dass ich nicht dazugekommen bin. Und nach einem anstrengenden Wochenende in Leogang war ich Sonntag zu nicht mehr fähig als zu Couchliegen, Essen und den Hund Gassi führen.

Allerdings habe ich endlich mal nachrecherchiert bezüglich meiner Schwierigkeiten mit dem Vokabeltrainer. Auf der Website steht in den FAQs nämlich alles Wissenswerte dazu (wer lesen kann ist eben klar im Vorteil). Es IST möglich, den Vokabeltrainer so zu nützen, wie ich mir das vorstelle, allerdings nur auf der Website nach dem LogIn. Sorry, liebes Team von Babbel, das ist Schwachsinn. Ist es denn nicht der Schmäh von Babbel, dass ich jederzeit unterwegs eine Sprache lernen kann? Wie also soll das so toll funktionieren, wenn ich den Vokabeltrainer in der Handyapp nicht voll ausnützen kann?

Start in die neue Kategorie „Land & Leute – Italienisch für den Urlaub“

3.10.   „Ho prenotato una camera doppia“, „Prendiamo un aperitivo?“, „Che cosa c’e di primo?“, „Dov’è un tabacchino?“

 

Fazit meiner Erfahrung mit Babbel

Nach meinem Wochenende in Neapel fasse ich nun zusammen:

  1. Selbstdisziplin ist alles.
  2. Mein Vokabular war besser als bei meinem letzten Italien-Aufenthalt.
  3. Gespräche mit Italienern haben sich nicht verbessert. Oder sagen wir, kaum. Auch wenn man über Babbel Grammatik und Vokabel lernen kann: Es fehlt die Anwendung der gesprochenen Sprache. Die ist eben doch ganz was anderes als die graue Theorie.
  4. Ich empfehle Babbel als zusätzliches Lerntool zu einem Konversationskurs oder normalen Italienischkurs.
  5. Das ist sicher: Besser „nur“ mit der App lernen, als gar keine Sprache lernen 🙂

Ich werde auf jeden Fall weiterhin mit Babbel üben und hoffentlich auch ohne Italien-Urlaub in Sicht eine gewisse Lernregelmäßigkeit aufrechterhalten.

Habt ihr Erfahrung mit Babbel oder einer anderen Sprachen-App? Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen 🙂

 

 

 

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