Offen, freundlich und tolerant – drei Schlagworte, die mir sofort zu Kuala Lumpur einfallen.
Ganz ehrlich, auch wenn ich es nicht so ganz zugeben will, zum ersten Mal in meinem Leben in ein muslimisches Land zu fahren, und das noch alleine als Frau, hat mich dann doch nicht ganz kalt gelassen. Aber diese Regung hat sich sehr rasch als völlig überflüssig herausgestellt. Denn dieses Land mag zwar muslimisch sein, was in uns Europäern traurigerweise gewisse Vorurteile heraufbeschwört, aber das ist völlig unwichtig, wenn man als Tourist*in unterwegs ist. Nicht nur ist es inmitten dieser multikulturellen und vibrierenden Stadt völlig unwichtig, ob man als Frau Tschador oder Minirock trägt, es gibt auch keine (keine für mich ersichtlichen) Berührungsängste zwischen den Religionen.
Die Religionen – da sprechen wir hauptsächlich vom Islam, vom Hinduismus und vom Buddhismus (besucht habe ich einen taoistischen Tempel, also ein chinesisch geprägter, es gibt aber natürlich auch hier den aus Thailand bekannten Theravada-Buddhismus, und viele weitere Ausprägungsformen). Denn Malaysien hat einen sehr großen chinesischen und indischen Bevölkerungsanteil.
Bei einer so multireligiösen Gesellschaft ist es klar, dass sich in der Hauptstadt große spirituelle und religiöse Stätten angesammelt haben, und vier davon habe ich besucht: den hinduistischen Sri Mahamariamman Tempel, die ebenfalls hinduistischen und wundervollen Batu Caves, den buddhistisch-taoistischen Thean Hou Tempel und die prachtvolle Masjid Jamek Moschee.
Orte der religiösen Begegnung in Kuala Lumpur
Los geht’s mit dem
Sri Mahamariamman Tempel
Der mit Farben und Details begeisternde hinduistische Tempel liegt am Rande Chinatowns – in einer unauffälligen, kleineren Gasse eingezwängt zwischen anderen Bauten. Wenn man in diese Straße einbiegt, und sich noch etwas wundert, steht man plötzlich vor dem beeindruckenden Portal des beinahe unaussprechlichen Tempels mit den vielen M’s.
Der Eintritt ist kostenlos (im Inneren hat man die Möglichkeit für den Tempel zu spenden, was ich allen sehr ans Herz lege), links vom Eingang kann man (ebenfalls kostenlos) Schuhe in Verwahrung geben. Die Kleidungsvorschrift besagt, dass Schultern und Knie bedeckt sein müssen. Wer einen zu kurzen Rock anhat, kann sich problemlos ein Tuch ausborgen, das dann als langer Rock dient.
Der große rechteckige Innenhof wird beherrscht von der großen, offenen Gebetshalle, getragen von vielen Säulen. Sich hier niederzulassen ist eine sehr entspannende Erfahrung: Hier ist man abgeschieden vom ständigen Verkehrslärm, es gibt viel zu sehen und zu beobachten, und die kühlen Fliesen und der Schatten tun ein Übriges in dieser wahnsinnig heißen und schwülen Stadt.
Drei verschiedene Schreine befinden sich in dieser zentralen Halle.
Rund um diese Halle herum befinden sich vier weitere Schreine, die allesamt anderen Gottheiten gewidmet sind. Sie sind stets begleitet von wunderschönen figuralen Darstellungen, Mosaiken, Wandmalereien, Farben und Formen.
Übrigens, ich weiß nicht wie es euch bei so etwas geht, aber ich fühle mich immer etwas fehl am Platz in einem Tempel, in dem laufend von Besuchern gebetet wird. Ich habe stets Angst, die Gläubigen in der Ausübung ihrer Religion zu stören.
Inzwischen weiß ich aber, dass man sich hier nicht unwohl fühlen muss. Abstand zu den Betenden halten und mit angemessenem Respekt auftreten ist alles.
Als ich den Tempel verlassen wurde, wurde ich übrigens von einem sehr freundlichen Tempelmitarbeiter angesprochen (die Malayen sind übrigens allesamt enorm freundlich – How are you/Where are you from/What’s your name/Have a nice day hört man mehrfach jeden Tag). Er hat mir erklärt, dass der Sri Mahamariamman Tempel sozusagen der Außenposten der Batu Caves ist – diese beiden Tempel gehören eng zusammen. Einmal pro Jahr im Jänner oder Februar bricht eine Prozession von Gläubigen vom Tempel zu Fuß zu den Batu Caves auf um das Thaipusam-Fest zu feiern. Es muss ein beeindruckendes Spektakel sein.
Adresse: 163, Jalan Tun H. S. Lee, Kuala Lumpur
Öffnungszeiten: täglich von 6:00 bis 21:00
Batu Caves
Die Batu Caves, einige Kilometer nördlich von Kuala Lumpur im Vorort Batu gelegen, sind sicherlich die berühmteste Sehenswürdigkeit Malaysiens. Es sind Kalksteinhöhlen in einem riesigen Felsen/Berg, die ein hinduistisches Heiligtum bzw. einen Tempel darstellen. Wohl jeder kennt das Bild der bunten Treppen, die hinauf zur großen Haupthöhle führen, flankiert von einer riesigen Statue der Gottheit Murugan.
Wer sich übrigens wundert, wie es sein kann, dass auf dem Bild keine oder kaum Besucher zugegen sind – kein Problem, ihr müsst nur, wie ich, bereits um 7:15 in der Früh hier sein. Ab ungefähr 8 Uhr füllt sich die Gegend rapide mit Touristen.
Die wunderschön färbigen Säulen auf der linken Seite des Fotos sind die Begrenzung eines Tempels, der zu den Batu Caves gehört, und in dem Gläubige beten. Er ist ebenfalls frei zu besichtigen.
Aber warum alle kommen, und natürlich die große Hauptattraktion, ist diese wunderschöne färbige Treppe! Neben Gläubigen finden sich hier in der Früh auch wenige andere Touristen und einige Sportler, die sie zum Konditionstraining nutzen. Bunt ist sie erst seit wenigen Jahren, und wer dort ungestört Fotos machen will, sollte definitiv ein Früheraufsteher sein! 🙂
Nach der Meisterung der vielen steilen Stufen steht man in der großen Höhle der Batu Caves, bekannt als Tempel- oder Kathedralenhöhle. Am Ende dieser führt eine weitere Treppenflucht hinauf in die hintere Höhle, die eine weitere Gebetshalle beherbergt und dank Öffnung nach oben in natürlichem Licht gebadet ist.
Die Gesteinsformationen der Kalkgesteins wären schon an sich beeindruckend genug. Sie bilden gewaltige Stalaktiten und Stalagmiten an den Rändern und am Eingang.
Aber besonders die detailreich und liebevoll verzierten Gebetshallen sind es wert, dass man sich ihnen widmet. Der Pfau gilt im Hinduismus übrigens als Reittier mehrerer Götter, besonders des Kriegsgottes Skanda. Daneben ist er ein Symbol für Macht und Schönheit.
Und natürlich darf das inoffizielle Highlight nicht fehlen: die Javaner-Affen, die ganz wunderbar von den großzügigen, aber nicht immer freiwilligen Spenden der Touristen leben. Sie lassen sich gerne fotografieren, wie ihr am Titelbild des Beitrags sehen könnt. 🙂
Adresse: Gombak, 68100 Batu Caves
Öffnungszeiten: ab ca. 6:00 bis nach Sonnenuntergang
Anreise: funktioniert mit dem Kommuter-Train von KL Sentral, ich empfehle aber ein Taxi oder (billiger) ein Grab Car (über die Grab App). Das ist schneller, günstig und richtet sich nach euch 🙂
Thean Hou Tempel
Der Thean Hou Tempel ist ein echtes Highlight unter den Sehenswürdigkeiten von Kuala Lumpur. Das große und prachtvolle Gebäude sitzt auf dem Hügel des Stadtteils Robson Heights, einer sehr wohlhabenden Wohngegend. Wie bei den Batu Caves ist auch hier „früh kommen“ (ab 8:00) das Stichwort, denn später wird Bus um Bus voll mit chinesischen Gläubigen und Touristen einfahren.
Der Tempel hat 4 Ebenen. Im Untergeschoß befindet sich ein Restaurant, das zu meinem Besuch nicht geöffnet hatte. Wenn man dem Eingangsportal einen Stock nach oben folgt, steht man vor einer großen Festhalle, die Festivitäten und Hochzeiten als Räumlichkeit dient.
Interessant wird es im 2. Obergeschoß, wo sich der große Platz mit der sich daran anschließenden Gebetshalle befindet. Als ich dort war, war der Platz überspannt mit hunderten roten Laternen – ich weiß nicht, ob das immer so ist, oder ob sie noch anlässlich des Chinese New Year hängen. Auf jeden Fall sieht es wirklich toll aus!
Dreht man sich von dieser Ansicht einmal um 180 Grad um, so hat man von hier aus einen tollen Blick auf die vielen Hochhäuser von Kuala Lumpur.
Wer die zahlreichen und reichhaltigen Details von chinesischen Tempeln schätzt, wird hier im Thean Hou Tempel mehrere SD-Karten für die Kamera brauchen. Denn einen Stock weiter oben hat man den besten Blick auf Drachen, geschwungene Dächer, Phönix-Figuren und zierliche Dachkanten.
Adresse: 65, Persiaran Endah, Taman Persiaran Desa, 50460 Kuala Lumpur
Öffnungszeiten: 08:00 – 18:00 Uhr
Anfahrt: mit den Öffis möglich, aber dann ein 25-minütiger Fußmarsch, die Hälfte davon bergauf. Gemütlicher geht es mit dem Grab Car.
Jamek Moschee
Von den Einheimischen „Masjid Jamek“ genannt, steht diese wunderschöne Moschee am Zusammenfluss der Flüsse Klang und Gombak, und damit genau an der Gründungsstelle Kuala Lumpurs.
Masjid Jamek ist die erste Moschee, die ich je in meinem Leben besucht habe. Ich wusste also nicht ganz, was mich erwartet, war aber total gespannt auf die Architektur, die von außen bereits so prachtvoll wirkt.
Es war reiner Zufall, dass ich nach meiner Rückkehr von den Batu Caves exakt um 10 Uhr beim Eingang der Moschee stand – also genau zum Beginn der Öffnungszeiten für die allgemeine Besichtigung.
Wie ihr euch vorstellen könnt, sind die Bekleidungsvorschriften hier strenger als in den buddhistischen und hinduistischen Tempeln. Männer müssen die Schultern bekleiden und lange Hosen tragen, Frauen benötigen ein bodenlanges Gewand und müssen die Haare bedecken. Für Frauen steht gleich ein ganzer Ständer kostenlos zu leihender Gewänder bereit, die wirklich nur wenig mit dem zu tun haben, was man von Muslimas kennt. Mit meinem Mäntelchen sah ich aus wie ein großer violetter Schlumpf.
Männer, die mit kurzen Hosen kommen, geht es übrigens nicht besser. Die langen Pluderhosen, die dann ausgefasst werden, beinhalten auch einiges an lustigem Fotopotential!
Mit meinem lila Gewand konnte ich nun frei über das Gelände der Moschee streifen. Den größten Teil nimmt die große Halle mit dem Hauptgebetsraum ein. Nachdem jederzeit Gläubige zum Beten vorbeikommen können, darf man im Gebetsraum selbst nur den Eingangsbereich betreten. Von hier aus hat man aber einen ausgezeichneten Blick und wird total freundlich von Guides empfangen, die scheinbar nur darauf warten, Besuchern ihre Begeisterung über die Moschee und ihren Glauben weiterzugeben.
Ich habe mich sogleich in die wissenden Hände eines Guides begeben, und er hat mir nicht nur viel über die Gründung der Stadt Kuala Lumpur, den Standort der Moschee und die Gebäude erzählt, sondern auch über andere Bauweisen von Moscheen in Asien. Dann habe ich auch noch über die Ausübung des Glaubens erfahren, und es war wirklich hoch interessant.
Wusstet ihr zum Beispiel, dass für das Beten himmlische Punkte vergeben werden? 😀 Von Männern wird strenger erwartet, dass sie zum Beten in die Moschee kommen als von Frauen. Das liegt daran, dass Frauen einerseits Mutter- und Haushaltspflichten haben, andererseits aber auch nicht in die Moschee kommen können, wenn sie z.B. ihre Periode haben. Und es ist das gemeinsame Beten, in der Gruppe, das zählt. So gibt es, wenn Männer alleine beten, nur einen Punkt, aber 27, wenn sie in der Moschee mit anderen beten. Frauen dagegen bekommen für das Beten zuhause, auch wenn es alleine stattfindet, ebenfalls 27 Punkte.
„Allah is fair“, sagt mein unterhaltsamer Guide und lacht.
Das für mich größte Highlight an der Jamek Moschee ist jedoch die Gartenanlage. Was für ein wunderbarer, ruhiger, gepflegter Ort mitten in der Großstadtwüste. Hier im Schatten der Bäume und Palmen zu sitzen, die Füße auf den kühlen Rasen zu betten und dem Plätschern des traumhaft schönen Brunnens zu lauschen, fühlt sich an wie ein Kurzurlaub im Städteurlaub und ist es alleine schon wert, die Moschee zu besuchen.
Und auch ein echtes Must-Do: Am Abend nochmals vorbeikommen und die wunderschön beleuchtete Moschee von außen bewundern.
Öffnungszeiten: Samstag – Donnerstag 10:00 – 12:30 und 14:30 – 16:30. Freitags geschlossen
Adresse: Jalan Tun Perak, Kuala Lumpur
Anfahrt: einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Station Masjid Jamek
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