Das eBike: Ein Fahrrad im Imagewandel von der Fahrhilfe für Faule und Ältere hin zum absoluten Trendsportgerät. Vor mehreren Jahren, als ich noch in Salzburg gewohnt habe, habe ich selbst mal überlegt, ob ich mir ein eBike zulege, damit ich nicht immer verschwitzt in der Arbeit ankomme. „Wozu brauchst du ein eBike?“ wurde ich gefragt. „Du bist doch noch jung, sei sportlich!“
Inzwischen ist der Blick auf’s eBike ein ganz anderer geworden. Unter Tourenfahrern und Mountainbikern prägt das Bild der Fahrräder mit Akku die Straßen. Besonders trendig ist das coole (und teure) eMountainbike. Damit lassen sich auch für weniger sportliche Menschen Höhen und Strecken erreichen, von denen sonst nur die Durchtrainierten erzählen konnten.
Nun, ich habe bis zum letzten Wochenende noch nie ein eBike ausprobiert (abgeschreckt von der Meinung meiner Salzburger Arbeitskollegen), und eine Freundin des Fahrradsports bin ich sowieso nicht. Bevor ich schnaufend ein Fahrrad bergauf schiebe, weil ich nicht mehr fahren kann, lasse ich es lieber daheim und wandere ohne zusätzliche Last bergauf.
Zusammen mit einem Freund, Michael, habe ich zwei Tage lang meine liebe Freundin Stephanie in Zell am See besucht – und wir haben uns kurzerhand bei Intersport Bründl zwei lässige eMountainbikes ausgeliehen, damit wir den Sport ausprobieren und mit ihr auf Tour gehen können.
Erste Meter auf dem eMountainbike
Michael und ich nehmen unsere eMountainbikes bei Intersport Bründl in Kaprun entgegen, Stephanie fährt mit dem Auto vor zu ihrer Wohnung, wo wir uns gleich treffen sollen. Wir besteigen unsere Boliden und fahren auf den Tauernradweg Richtung Zell am See. Vorsichtig schalten wir unsere Fahrradcomputer auf „Eco“. Sofort bilden sich auf unseren Gesichtern breite Grinser. Bei jedem Tritt in die Pedale schiebt das Fahrrad kräftig mit. Ohne jegliche Anstrengung düsen wir mit 25 km/h auf den recht schweren Fahrrädern dahin. Schneller geht zwar, aber nur mit eigener Muskelkraft: ab 25 km/h unterstützt der Motor aus Sicherheitsgründen nicht mehr weiter. (Dass man diese Sperre mittels eines kleinen Tunings umgehen kann, davon reden wir hier lieber nicht. Das ist schließlich verboten… 😉 ).
Michael schaltet auf gerader Strecke testweise in die nächsthöhere Stufe „Tour“. Das Rad schiebt ihn vorwärts, wir haben wahnsinnig viel Spaß. Und das schon auf den ersten paar Kilometern auf ebener, asphaltierter Strecke. Das fängt ja richtig gut an!
Los geht’s auf die Areit mit den eBikes
Bei Stephanie angekommen schmeißen wir uns in unsere Fahrradkluft. Ich wünsche mir, dass wir die Schmittenhöhe hinauffahren zur Areitalm. Mein Vater stammt aus Bruck an der Glocknerstraße, aus dem Nachbardorf von Zell am See: Auf der Schmittenhöhe habe ich ab 3 Jahren Skifahren gelernt, sie ist bis heute mein heißgebliebter „Heimatberg“. Etwa 700 Höhenmeter liegen vor uns. Als wir die Bergstraße in Angriff nehmen, bin ich skeptisch. Radfahren mag ich eigentlich gar nicht, und trotz eMountainbike habe ich gar keine Lust auf die Anstrengung. Aber: mitgefangen, mitgehangen. Ich schalte meinen Fahrradcomputer auf Stufe 2, „Tour“ und trete ich die Pedale.
Schnell wird klar: Ja, wir schnaufen und wir schwitzen (es hat fast 30 Grad). ABER: Wir unterhalten uns! Ich bin nicht am Sterben und radle fröhlich bergauf, Stufe 3 „Sport“ sei Dank. Mountainbiken kann also echt Spaß machen! Es geht steil bergauf mit über 12 km/h – Fahrtwind beim Bergauffahren! Wir überholen einen „echten Mountainbiker“. Ich fühle mich irgendwie schlecht, als ich mit dreifacher Geschwindigkeit, eher unsportlich und wenig schwitzend an dem Sportler mit richtig durchtrainierten Wadeln vorbeiziehe und grüße höflich. An seiner Stelle wäre ich von mir total genervt.
In beinaher irrer Geschwindigkeit gewinnen wir an Höhe und genießen den kaum erkämpften herrlichen Ausblick auf den Zeller See weit unter uns. In 40 Minuten erreichen wir die Bergstation des Areit Xpress – 700 Höhenmeter liegen hinter uns, und wir sind echt noch fit. Das war schon das Ende unserer Tour? Ich frage mich, ob man das schon als Sporteinheit zählen kann.


Vor uns liegt nur noch die Abfahrt – auf selbem Wege die Schotterstraße und dann die Asphaltstraße wieder hinunter. Leider bin ich ein bisserl feig. Stephanie und Michael lassen ihre Bikes in vollem Tempo den Berg hinunter. Ich hänge auf den Bremsen, die langsam heißlaufen. Der schlechte Scherz daran: Ich bin zwei Saisonen Downhill gefahren. Also Wurzelteppiche hinunter auf einem 18-Kilogramm-Boliden mit 220 Millimeter Federgabel und Dämpfer. Zwar war ich niemals gut in diesem Sport, aber zumindest sollte ich nach diesen beiden Saisonen fähig sein, eine Schotterstraße mit einem normalen Mountainbike ohne Angst hinunterfahren zu können. Zum Mut fehlen mir der Integralhelm, die Panzerung von Kopf bis Fuß und ein ultrastarkes Reifenprofil. Ich hänge also in meinen Bremsen und mache Pausen, wenn sie zu quietschen beginnen.
Da ist er wieder: Der Grund, warum ich Fahrradfahren eigentlich nicht leiden kann.
Tag 2: Weitere 700 Höhenmeter mit dem eMountainbike
Tag 2 bricht an. Ich freue mich sehr auf die Tour, auch wenn ich weiß, dass das Bergabfahren damit auch wieder vor mir liegt. Mit „Eco“ radeln wir die rund sieben Kilometer bis zum Beginn der Bergstraße hinauf zur Enzianhütte und auf die Erlhofplatte. Heute sind wir schon darauf vorbereitet, wie easy uns die tollen Bikes auf den Berg tragen. Stephanie und Michael sind sportlich und treten mit „Tour“ in die Pedale, ich schalte gleich auf „Sport“, auch so schwitze ich noch genug. Soviel übrigens zum Thema, eBiken sei unsportlich: Die gewünschte Unterstützung und damit den Grad der Anstrengung bestimmt jeder für sich. So wird es auch möglich, dass durchtrainierte Sportler mit weniger aktiven Menschen gemeinsam eine Ausfahrt machen, ohne dass die einen gelangweilt und die anderen gestresst sind.
Bei traumhaften Ausblicken radeln wir die Bergstraße entlang. Wir plaudern und lachen und treten, es ist wirklich herrlich!
Angekommen auf der Enzianhütte gönnen wir uns eine (wieder unverdiente) Pause. Viele Biker kommen nach uns an, bis auf ein einziges sind es ausschließlich eMountainbikes, die abgestellt werden.
Weiter geht es hinauf zur Erlhofplatte. Aus der asphaltierten Straße wird zunächst eine Schotter-Forststraße, die sich rapide verschlechtert. Mit „Sport“ stören uns weder Steine, noch Löcher oder Unebenheiten. Wir bügeln einfach darüber. Megacool! Dabei haben wir sogar noch eine weitere Stufe auf unseren Computern. „Turbo“ schalten wir aber nur zum Spaß ein, brauchen tun wir es nie.
Auf der Erlhofplatte angekommen liegt eine lange und steile Mountainbike-Abfahrt vor uns. Zum zweiten Mal wünsche ich mir meinen Integralhelm und meine Schutzpanzer vom Downhillbiken zurück. Pech gehabt, ich muss abwärts. Michael, ehemaliger Downhill-Jugend-Wettbewerbsfahrer und Stephanie, mutige Freizeitsportlerin, düsen wieder voran. Ich, feige Nudel, gurke hinterher und sende Stoßgebete zu meinen Bremsen, zicke herum und mache Pausen, bis die Bremsscheiben wieder abgekühlt sind. Erleichterung tritt erst ein, als wir die ebene Straße wieder erreicht haben.
Fazit meiner ersten eBike Touren
Nein, der Fahrradsport ist nichts für mich. Das war und ist so. Aber eBiken ist einfach genial, vor allem mit dem eMountainbike hinauf zu herrlichen Aussichten!
Würde ich in den Bergen wohnen, stünde ein eMountainbike definitiv in meiner Garage. Und eventuell ein Integralhelm und ein paar gepanzerte Klamotten, damit ich mich wieder bergab fahren traue 😀