Ruhig ist es geworden rund um Wanderhunger. Vielleicht nicht auf Instagram (warum weiß ich selbst nicht, Insta hundst am meisten), definitiv aber am Blog und auf Facebook.

Grund ist: Ich habe eine Krise. Und zwar eine Bloggerkrise. Die zweite sogar (die erste war die Lücke zwischen Oktober 2017 und Frühjahr 2018).

Wenn ihr euch fragt, was zum Geier eine Bloggerkrise sein soll, dann hier kurz zusammengefasst:
Ich kann mich nicht überwinden zu schreiben. Ich habe mehr als genug Material, noch aus Thailand und aus meiner Zeit in Laos im Mai, aber ich habe sowas von keinen Bock darüber zu schreiben. Keine Inspiration, keine Lust, die Bilder zu bearbeiten. Außerdem hatte ich in Laos oft nicht mal mehr Lust, „Blog-gerechte“ Fotos zu machen (ja das macht man wirklich – „normale“ Urlaubsfotos sind nach dem Start eines Blogs ganz schnell passé).

 

Und bevor ich mich jetzt noch weiter darüber auslasse, was mich eigentlich gerade so nervt, möchte ich vorab ein paar Worte an diesen Artikel lesende Bloggerkolleg*innen senden:
Falls ihr euch in manchen Teilen angesprochen oder angegriffen fühlt – bitte nicht persönlich nehmen. Alles, was ich hier aufliste, sind Dinge, die mich ganz persönlich nerven, und die nichts mit anderen Blogs oder Blogger*innen zu tun haben. 😉

Die Bloggerkrise 2, oder: Bloggen ist doof.

Was eigentlich mein Problem ist: Ich weiß nicht wirklich wohin. Also mit meinem Blog. Das allgemeine Reise-Wischi-Waschi ist irgendwie langweilig geworden. Oder nicht mal richtig langweilig (man sieht, ich hab selbst keine Ahnung), sondern eher: Für mich nicht mehr ganz das Richtige. Das merkt ihr bestimmt schon länger, denn seit ich Ende November 2018 nach Thailand gegangen bin, ist die Artikelfrequenz stark gesunken. Lustigerweise habe ich heute nach vielen Monaten zum ersten Mal meine Statistiken wieder angeschaut, und im letzten halben Jahr haben sich meine Besucher beinahe verdreifacht!!
Es ist also schon mal beruhigend zu wissen, dass sich Leerzeiten einfach aussitzen lassen…

 

Als ich angefangen habe zu bloggen, habe ich mich Hals über Kopf hineingestürzt. Ich habe WordPress gelernt, meinen Blog selbst aufgesetzt, Redaktionspläne geschrieben, nächtelang nicht geschlafen, weil mich irgendwas gefesselt hat. Es war aufregend, es war neu. Auf Pinterest habe ich Artikel wie „Top-Headlines für mehr Besucher auf deinem Blog“ verschlungen und viele Bloggerkolleg*innen abonniert, um „mehr“ herauszufinden.

Absolut positiv: Ich habe viele tolle Ecken kennengelernt, die ich sonst nie gesehen hätte. Und auch meine Liebe zu Early-Morning-Touren stammt daher, dass ich mich ursprünglich mal nur für ein gutes Instagram-Bild aus dem Bett gequält habe. Ganz ehrlich, vor zwei Jahren wäre mir in meinen wildesten Träumen noch nicht eingefallen, mich um 4 Uhr Früh auf dem Weg ins hinterste Mühlviertel in Oberösterreich zum Tannermoor zu machen.

Und während ich das schreibe, fühle ich, dass ich das sofort wieder machen würde. In aller Frühe ins Auto setzen und zu irgendeinem völlig unnötigen Ort fahren, herumspazieren, fotografieren und darüber schreiben.

 

Was geht mir eigentlich auf den Nerv?

 

Das Aufblasen von Reisen, Ausflügen, Orten oder Erlebnissen, die es eigentlich nicht wert sind.

Ja, es kommt vor, dass man unterwegs ist, und es ist einfach nicht aufregend. Oder nicht schön. Oder das Wetter ist beschissen und die Lust bei Regen oder Wolken irgendetwas „Blogger-cooles“ zu machen nicht vorhanden. Nachdem ich mit meinem Blog Null verdiene (in Zahlen: 0, oder eigentlich minusirgendendwas) sitzt mir auch kein Druck im Nacken, Content produzieren zu MÜSSEN. Wenn der Schweinehund oder die pure Unlust also stärker sind, dann fotografiere ich nicht, schaue mich weniger um und habe schlussendlich wenig Material für einen Artikel.

Da nehme ich zum Beispiel Laos. Ja, Laos war eine echt coole Reise. Aber volle vier Tage davon habe ich zum Beispiel an zwei Orten verbracht, Nong Khiaw und Mung Ngoya, die vielleicht pittoresk, aber eigentlich mega-unaufregend waren. In Nong Khiaw habe ich zumindest noch einen lässigen Tagesausflug gemacht, aber in Mung Ngoya habe ich im Prinzip 48 Stunden lang in einer Hängematte verschlafen. Und nein, wenn die Tagestemperatur 40 Grad überschreitet und die Klimaanlage im Zimmer nicht geht, habe ich NULL Lust darauf, in der Gegend herumzugurken, um danach einen Artikel über „Must See in Laos: Mung Ngoya“ zu schreiben.

Und weiter geht es mit Laos (das ist gerade so ein schönes Beispiel). Insgesamt war ich 7 Nächte in der unfassbar schönen, der romantischsten Stadt der Welt: Luang Prabang. Die ist wirklich ein Must-See für jeden, der in Asien ist, nur einen Katzensprung und einen billigen Flug von Bangkok entfernt. Der absolute Traum eines jeden Südostasien-Reisenden.
ABER: 5 Nächte davon war Songkran, also buddhistisches neues Jahr. Und nein, ich schreibe keinen Artikel „10 Gründe, warum man Songkran in Luang Prabang verbringen muss“. Warum? Weil ich Songkran gehasst habe! Es war so mühsam! Egal wo man hinging, ständig wurde man von oben bis unten mit Wasser bespritzt. Oder eigentlich getaucht. Trockenen Fußes zu einer Tempelbesichtigung? Ha! Mit verdammt viel Glück und vielen Umwegen durch kleine Gassen. Ich persönlich werde Songkran nie wieder in einem buddhistischen Land verbringen, oder wenn es sich ergibt, die Tage in einem chicen Hotel aussitzen.
Ja natürlich könnte ich auch schreiben „Songkran in Laos: Things not to do before you die“. Aber ganz ehrlich? Interessiert es denn irgendwen, einen Blogartikel darüber zu lesen, wo man nicht hinwill? Ich wüsste ja nicht einmal, wie ich genug Zeichen für einen Artikel darüber zusammenbringen sollte.

 

Nervende Headlines

Gerade habe ich mich durch meine eigenen Artikel geklickt, aber ich habe gar keine der im Folgenden beschriebenen nervenden Headlines. Zum Glück. Also eigentlich müssten mich diese Headlines gar nicht nerven, denn ich muss sie ja nicht verwenden. Sie ärgern mich aber, wenn ich sie sehe. Und ich sehe sie dauernd, besonders gerne auf Pinterest.
(Alle folgenden Beispiele sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden Artikeln sind rein zufällig)

„7 Cafés in Paris, die man gesehen haben muss“
Hey Blogger, was ich gesehen haben muss, sage immer noch ich selbst. Außerdem, chance is high, dass du nur diese 7 Cafés in Paris besucht hast.

„Meine Erfahrungen mit den Wiener Linien in Wien“
Echt jetzt? Wen verdammt kratzt das? Wenn du in Wien bist, nimmst du die Öffis = Wiener Linien. Aber auch wenn du zu Fuß gehst oder Taxis nimmst, ehrlich: Es kratzt mich nicht, und vermutlich auch keinen Leser.

„Meine Backpacker-Route durch Laos“
Das ist ein beinahe echtes Beispiel, denn dieser Artikel steht auf meiner Redaktionsliste, die ich seit längerer Zeit hartnäckig ignoriere. Warum ich mich noch nicht durchringen konnte, ihn zu schreiben ist: Ganz ehrlich, wer von euch lieben Leser*innen kommt in absehbarer Zeit nach Laos? Und wenn ihr in der Früh am Weg ins Büro oder vielleicht am Wochenende bei einem Kaffee meinen Blog lest – ist das dann ein Artikel, der euch interessiert? Oder ist es nicht eher einer über ein Thema, das euch tatsächlich wichtig sein oder werden könnte?
Ja, Wandern in Kirgistan oder Meditieren in Andorra ist sicherlich cool, aber (ich wiederhole mich): Echt jetzt?

 

Meine Domain passt nicht (mehr) zu mir

Wanderhunger hatte eine prinzipiell gute Grundüberlegung. Ich wollte über meine Reisen schreiben („Wander-“ vom englischen Wort „Wanderlust“) und zu jedem besuchten Ort oder Land ein Rezept nachkochen und kosten („-hunger“).

Die Idee mit den Rezepten hat sich ganz schnell wieder erübrigt. Nach den ersten beiden Rezepten (Kaspressknödel und Tiroler Muas nach meinem Wanderurlaub im Zillertal) hat mich diese Idee schon so genervt, dass ich das gleich wieder aufgegeben habe.

Jetzt sitze ich mit meiner Domain auf zwei Problemen:

Erstens glauben alle ich hätte einen Wander-Blog, also einen Blog übers Wandern.
Nein, ich habe keinen Blog über Wanderungen. Wäre eine coole Idee, und ich hätte dafür sogar genug Material, aber nein. Das ist ein Reise- und kein Wanderblog, egal wie oft ich noch gefragt werden, warum ich kaum Wanderungen online habe.

Zweitens schränkt mich die Domain ein. Zumindest in meinem Kopf. Denn ich will eigentlich gar nicht nur über das Reisen schreiben. Ich will über alles schreiben. Ja, in einem gewissen Ausmaß mache ich das. Aber immer mit dem leicht schlechten Gefühl, dass das eigentlich auf einem Reiseblog nix zu tun hat.
„Ja und?“, werdet ihr euch gerade denken, „Schreib doch was du willst“.
Eh. Aber trotzdem passt die Domain einfach nicht zu dem, was ich eigentlich sagen will.
„Na dann wechsel sie doch“, sagt ihr.
Eh. Aber zu was? martinastasny.com? das-leben-der-martina.com? daily-martina.com?

*schnarch*

 

Die falsche Welt des Social Media, oder: Ich hasse Instagram

Instagram hat mein entspanntes Reise-Dasein ruiniert. Kein schöner Ort, an dem ich noch sein kann, ohne dass ich mich umsehe, wo ich jetzt ein super Instagram-Foto schießen könnte. Nicht einmal, wenn ich mir vornehme, dass ich KEIN Instagram-Foto mache, schaffe ich es, kein Instagram-Foto zu machen.

Gleichzeitig weiß ich, dass es mir viel mehr Likes und Follower einbringt, wenn ich selbst am Foto abgebildet bin. Ich bin aber praktisch immer alleine unterwegs und gebe anderen Leuten ungern mein Handy zum Fotografieren in die Hand. Nicht, weil ich Angst habe, dass es gestohlen wird, sondern weil 99 % aller Menschen zu unfähig sind, ein gutes Bild zu machen. Füße abgeschnitten, Horizont schief, schlechter Ausschnitt, oder nur ein Bild gemacht, auf dem ich fett aussehe, und dann müsste ich wieder jemanden Neuen anbetteln, ein Foto zu machen.
Viel zu mühsam. Also bin ich mit Smartphone-Stativ und Selbstauslöser unterwegs. Das ist eine coole Sache, funktioniert ausgezeichnet und mein Stativ ist nie verärgert, wenn ich nicht nur zwei, sondern 35 Fotos mache.

Aber: Ich schäme mich! Es ist mir SO PEINLICH an einem belebten Ort ein Foto mit Stativ und Selbstauslöser von mir selbst zu machen. Dabei sind Selfies mit Selfiestick viel peinlicher.

 

Weiters weiß ich nie, ob ich mich fremdschämen oder lachen soll, wenn ich Instagram-Tussis und ihre Instagram-Husbands sehe. Sie wirft sich in die immer gleichen stinklangweiligen Instagram-Posen (seitlich, hinteres Bein gestreckt, vorderes Bein angewinkelt, Zehenspitzen aber auf dem Boden, Rücken durchgedrückt, Hand an den Strohhut wenn vorhanden, sonst in die Haare), er fotografiert fleißig. Sie checkt die Bilder, findet sich hässlich, alles geht von vorne los.

 

Und schließlich kann ich doch nie anders, mache ein Instagram-Bild von mir und veröffentliche es. Bei einem guten Bild gehen meine Follower hoch von 296 auf 305. Für zwei Tage. Dann habe ich nur noch 299 und am nächsten Tag nur noch 292 Follower. So geht das seit einem halben Jahr. WIE VERDAMMT NOCH MAL IST DAS MÖGLICH? Die ganzen „Follow for Follow“ Arschbacken (tschuldigung) können mich mal! Nur weil ihr mir folgt, heißt das nicht, dass mir euer Account gefällt, na und? Ich folge auch Leuten, die mir nicht folgen – weil mir deren Account einfach zusagt! Und nicht, damit sie mir im Gegenzug re-folgen.
Was für eine miese Plattform.

Und drehe ich sie deswegen ab? Nein, im Gegenteil. Mein heutiger Beitrag aus Valletta in Malta hat mich auf 299 Follower gepusht. Vielleicht sind es morgen sogar 302. Egal, spätesens am Dienstag bin ich wieder auf unter 300. Ihr könnt mich alle. Und ja, natürlich poste ich weiterhin auf Instagram.

 

Wo will ich mit meiner Suderei eigentlich hin?

Eigentlich will ich euch nur sagen, dass ich als Bloggerin auf Selbstfindungstrip bin und deshalb derzeit einfach kaum Content von mir kommt. Ich muss herausfinden, wie ich meinen Blog weiterführe, sodass er mir wieder Spaß macht. Und Spaß ist echt die Hauptsache, denn es steckt einfach verdammt viel Zeit und Aufwand dahinter, das Ding zu betreiben.

Ich werde allerdings meine Facebook-Seite wieder vermehrt zumindest mit Fotos befüllen, damit meine dortigen lieben Fans zumindest etwas zu sehen bekommen. Und natürlich könnt ihr mir auf Instagram folgen (haha), denn dort bin ich echt am regelmäßigsten unterwegs (wtf). Zusätzlich habe ich eine Facebook-Seite für meine Aktivitäten als Tauchlehrerin, wenn euch das interessiert. 🙂

 

Stay tuned, ihr Lieben. Ich bedanke mich für eure Geduld. Sicherlich wird weiterhin der eine oder andere Artikel von mir hier erscheinen. Und ich hoffe sehr, dass ich bald mit etwas aufwarten kann, dass mir den Spaß am Bloggen wieder zurückbringt. 🙂

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