Manchmal lässt es sich nicht vermeiden: Das Mädels-Wochenende ist lange gebucht, die Unterkunft fixiert und die Wettervorhersage eine Katastrophe. Verschieben geht nicht, denn die Stornofrist ist vorbei, und bei zwei vielbeschäftigten Freundinnen ist dann auch kein Ersatzwochenende mehr frei.
Was also tun? Ganz einfach: Wie geplant packen wir uns zusammen und fahren in den Pinzgau bei Regen. Bei strömendem Regen, genauer gesagt. Und bei Temperaturen unter 12 Grad. Zahlt sich das aus?
Feuchtfröhlich: Pinzgau bei Regen
Die Unterkunft
Der Wochenendtrip nach Saalfelden-Leogang im Pinzgau war ein Geburtstagsgeschenk an meine liebe Freundin Stephanie. Die Unterkunft, der Stillinghof von Familie Hartl in Saalfelden, habe ich über die Plattform we-are.travel gefunden, wo man oft richtig gute Schnäppchen machen kann. Man muss dabei nur mit der Reisezeit flexibel sein können.
Untergebracht waren wir im Nebenhaus des schönen alten Bauernhofs. Dort befinden sich ein Zimmer mit einer Küchenzeile und ein kleines Apartment. Unser Zimmer hatte einen herrlichen Balkon mit Bergblick. Leider konnten wir ersteren nicht nutzen und zweiteren nicht sehen – scheußliches Wetter eben. Die Küchenzeile war voll ausgestattet, daran befand sich auch noch ein kleiner Tisch mit drei Stühlen. Außerdem gab es neben dem Bett eine große Couch. Alles war picobello sauber und sehr liebevoll eingerichtet. Und mein Hund Rocco war überhaupt kein Problem und durfte kostenlos mit.
Frühstück gibt es bei Marisa Hartl im Hauptgebäude. Es gab Leckereien wie hausgemachten Frischkäse mit Pesto, weiche Eier, selbstgemachter Joghurt mit Fruchtpürree und die Klassiker. Alles Bio natürlich, die Milchprodukte und die Eier vom eigenen Hof.
Besonders nett und auch sehr interessant ist der Frühstücks-Plausch mit Frau Hartl, bei dem wir viele Einblicke in das anstrengende Hofleben gewonnen haben.
Aber was tut man in den Bergen, wenn es schüttet?
Überraschenderweise sehr viel! Die Region ist touristisch perfekt ausgebaut. Mit der Übernachtung in einem Löwencard Alpinbetrieb in Saalfelden Leogang bekommt man automatisch für die Dauer des Aufenthalts eine Löwencard. Darin sind viele kostenlose Leistungen und Rabatte für verschiedenste Attraktionen enthalten. So kann man mit ihr pro Tag einmal kostenlos eine Berg- und Talfahrt mit der Asitzbahn in Anspruch nehmen. Zugegeben, das zahlt sich bestimmt mehr aus, wenn es trocken ist. 🙂
Im Folgenden seht ihr, was wir alles gemacht haben, um uns die Zeit im Regenwetter zu vertreiben.
Spazieren gehen? Geht bei jedem Wetter!
Leute, der Spruch ist alt, aber dennoch wahr: Wir sind nicht aus Zucker! Also checkt euch vor der Reise einen ordentlichen Regenponcho und Gummistiefel. Der Poncho macht euch nicht schöner (siehe das Titelbild des Beitrags), aber er hält euch trocken. Außerdem kann man auch den Rucksack oder die Tasche darunter tragen. Testet beim Kauf der Gummistiefel, ob sie auch wirklich bequem sind. Zusätzlich leistet eine Kappe unter der Kapuze gute Dienste, so bleibt auch bei Wind das Gesicht trocken. Damit steht dem Regenspaziergang nichts mehr im Weg.
Auch wenn ihr mitten im Hochgebirge seid: Es gibt immer auch gemütliche Spaziergänge mit nur wenig Höhenmetern. Wir haben uns einen solchen herausgesucht und sind von Saalfelden nach Maria Alm gegangen. Bergwandern im Regen muss schließlich wirklich nicht sein, außerdem sind bei Nässe viele Steige gefährlich.
Gönnt euch auf dem Weg einen Kaffee und ein richtig gutes Stück Torte zur Belohnung. Voll verdient!
Natürlich regengeschützt: Das Schaubergwerk in Leogang
Das Leoganger Schaubergwerk ist ein echter Hit! Das solltet ihr euch auch bei Sonnenschein nicht entgehen lassen. Seit 1989 ist es für Touristen zugänglich und zeigt eindrucksvoll, wie mühselig früher Silber, Kupfer und Blei abgebaut wurden.
In das Bergwerk kommt man nur im Rahmen einer Führung, die mehrmals täglich von Mai bis Oktober stattfinden. Wichtig: An der Kassa steht der Hinweis „Für Menschen mit Klaustrophobie nicht geeignet“. Nehmt ihn ernst. Teilweise sind die Gänge gerade mal schulterbreit, und oft sind wir tief gebückt durch Stollenabschnitte gegangen. Dafür erlebt man hautnah, was für eine Knochenarbeit der Bergbau damals war. Die Stollen wurden noch mit dem Hammer getrieben, pro Tag rund einen Zentimeter weit. Und während wir Touristen bequem auf Holzstiegen durch das Bergwerk steigen, mussten die Knappen am Fels entlang kraxeln und hatten höchstens einfache Holzstämme mit kleinen Tritten. Und das im Licht von Kienspänen.
Wirklich sehr beeindruckend.
Unser etwas grantiger Führer ist im Laufe der Besichtigung deutlich aufgetaut und hat unsere Fragen gerne und informativ beantwortet. Und auch am Rückweg zum Kassahäuschen kann er euch viel über die umliegenden Berge und die Überschwemmung von 2012 erzählen.
Mit der Löwencard bekommt man übrigens ermäßigten Eintritt.
Für die Bildung: Das Bergbau- und Gotikmuseum
Zugegeben, die großen Museumsbesucher sind wir üblicherweise nicht. Aber nachdem das Wetter keine Aussicht auf Besserung zugelassen hat und der Eintritt mit Löwencard kostenlos ist, haben wir das Bergbau- und Gotikmuseum besucht.
Das Museum ist sehr schön aufgebaut und beherbert viel sakrale Kunst, Heiligenstatuen, prachtvolle alte Schränke und Truhen und Bücher. Wer sich hierfür interessiert, wird das Museum lieben. Mein Highlight war jener Raum im Obergeschoß, der dem Bergbau gewidmet ist. Nachdem wir gerade aus dem Bergwerk gekommen waren, liefern die Exponate dort viele weitere interessante Einblicke.
Ergo bibamus!
Also lasst uns trinken! Stephanie und ich sind keine Kinder von Traurigkeit. Nachdem wir aber in Saalfelden nichts gefunden haben, was einer netten Bar nahekäme (zumindest nicht vor 20 Uhr), sind wir nach Leogang ins Hotel mama thresl gefahren. Dieses Hotel ist der Hammer. Nach 10 Jahren im Marketing bewundere ich richtig gute und durchgezogene Konzepte. Das mama thresl hat das sogar noch an die Spitze getrieben. Home of Lässig, sage ich nur. Die Drinks sind der Hammer, an der Bar kann man schaukeln, zu den Weinkühlschränken müssen die Barkeeper über eine Leiter, und sowohl außen als auch im Hotel kann man klettern. Na, wenn das kein Hit ist!
Übrigens waren wir nicht nur zum Trinken dort, sondern auch einmal gemütlich am Nachmittag. Der Milchschaum auf dem Cappuccino bekommt 5 von 5 Sternen. Und gebt euch die Waffeln, die sind jedes Hüftgold wert!
Spiele, Spiele, Spiele!
Ich kann es fast nicht oft genug sagen: Findet Spiele, die euch gefallen, und schleppt sie mit! Sie sind den Platz immer wert. Stephanie und ich sind beide begeisterte Brett- und Kartenspielerinnen. Mit in den nassen Pinzgau haben es Uno, 6 Nimmt, Würfelpoker, Schweinerei und Kahuna geschafft. Und egal ob im Apartment, im mama thresl oder im Kaffeehaus: Wir haben gespielt und hatten einen riesen Spaß. Regen? Who cares!
Essen ist auch eine gute Regen-Beschäftigung
Essen ist nicht nur im Pinzgau bei Regen, sondern bei jedem Wetter eine ausgezeichnete Beschäftigung!
Am ersten Abend haben wir auf Empfehlung unserer Gastgeberin vom Stillinghof in Saalfelden im Brandlwirt gegessen. Nachdem kein Tisch mehr frei war wurden wir am Stammtisch platziert. Das war Glück, denn so sind wir neben unserem herrlichen Abendessen (richtig gute Kasnock’n!) gleich mit Wirt Bernhard und einem Saalfeldner ins Plauschen gekommen.
Unseren zweiten Abend haben wir auf der Jufenalm genossen. Die Jufenalm kenne ich von einer Hochzeit aus dem Vorjahr. Auch sie ist unbedingt einen Besuch Wert – vor allem bei schönem Wetter. Die Lage in Maria Alm ist herrlich, der Blick auf die umliegende Bergwelt absolut grandios. Auch Kinder werden begeistert sein, denn neben einem Hirschgehege gibt es auch einen großen Spielplatz. Und für größere und ganz große Kinder befindet sich dort ein toller Bogenparcous. Wenn ihr euch mal dezenten Luxus gönnen wollt, dann mietet euch gleich ein, auch die Zimmer sind ein echter Hit. 🙂
Und natürlich auch das Hotel mama thresl ist einen kulinarischen Abstecher wert. Diese Kaspressknödelsuppe… mhmmm!
Der Regen macht Pause: Rauf zum Birnbachloch
Wir hatten Glück: An unserem Abreisetag hat nicht nur der Regen aufgehört, am Nachmittag hat sich sogar die Sonne blicken lassen. Damit unsere Wanderausrüstung also nicht komplett umsonst mitgereist ist, sind wir zum Birnbachloch gewandert.
ca. 360 Höhenmeter / 3,5 km / 1:20 h / ab Leogang
Vom Parkplatz Ullachtal geht es nach der Querung eines Bachbetts gleich recht steil bergauf. Zuerst führt ein gemütlicher Wanderweg durch Wäldchen und Almen, nach etwa zwei Dritteln wird er zu einem alpinen Steig. Über viele Fels- und Holzstufen geht es mit herrlichem Blick auf die Leoganger Steinberge nun bis zum Birnbachloch. In dieser beeindruckenden und beinahe magischen Höhle entspringt der Birnbach und donnert von dort ins Tal. Von hier aus kann man entweder weiter zum Birnbachgletscher gehen, oder (wie wir) wieder zurück zum Ausgangspunkt.